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Eine Plattform für Schweizer Kunst

The Fossil and Climate Change Museum in Wadi Hitan, Faiyum Desert, Egypt, 2016 Noha Mokhtar

Mit der Collection Cahiers d'Artistes ermöglicht die Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia interessanten Schweizer Künstler:innen die Publikation einer ersten Monografie. Die Hefte bieten alle zwei Jahre einen Einblick in die aktuellen Tendenzen der Schweizer Kunstszene.

Dieser Inhalt wurde am 28. September 2021 - 14:15 publiziert

Alle zwei Jahre empfiehlt eine externe Jury der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia aufstrebende Künstler:innen, die sich auf eine Ausschreibung hin beworben haben. Den Ausgewählten wird eine kleine Monografie, ein Cahier, finanziert. Die Monografien werden in enger Zusammenarbeit mit den Kunstschaffenden selbst gestaltet und werden von Texten von Kritiker:innen begleitet.

“Für die Künstler:innen ist dies eine einmalige Gelegenheit, ihr Werk unterlegt mit einem Text einer Kritikerin, in der internationalen Kunstszene bekannter zu machen. Das Erarbeiten der Cahiers d’ArtistesExterner Link ermöglicht den Kunstschaffenden einen neuen Austausch, einen anderen Blick auf das eigene Schaffen und die Zusammenarbeit mit Grafiker:innen und Autor:innen,” erläutert Josiane Imhasly, Fachspezialistin Visuelle Künste bei Pro Helvetia, gegenüber swissinfo.ch.

Lanciert wurden die Cahiers d'Artistes vor 35 Jahren und haben schon renommierten Küstler:innen wie Pipilotti Rist, Fischli/Weiss oder Claudia Comte eine Plattform geboten. Dieses Jahr wurden Cahiers der folgenden Künster:innen veröffentlicht:


Für Sandra Knecht ist Kochen Kunst. Sie kochte über Jahre für ein breiteres Publikum im "Chnächt", einer Scheune, die sie extra nach Basel transportierte. Knecht sucht nach Identitäten in Düften und Geschmäckern und verknüpft diese mit der Geschichte und der Politik der Region. Im Essen sieht sie den Schlüssel zu den Fragen, wer wir sind und warum wir so sind wie wir sind – und wie wir nachhaltiger und gleichberechtigter leben können. Sandra Knecht *1968, lebt und arbeitet in Buus, Baselland. Links: My land is your land, 2020 Foto: Eva Kurz. Rechts: Bœuf sous-vide, 2017, Foto: Katharina Lütscher
Elena Montesinos ist eine kulturelle Unruhestifterin. Ihre künstlerischen und kuratorischen Projekte werden aber nicht immer realisiert: wie wenn sie zum Beispiel in einem Schweizer Bahnhof in einer "Black Block Burka", genäht aus Flaggen von anarchistischen Aktionen, Kleingeld verteilt. In ihrem Cahier d'Artistes mit dem Titel UNRELEASED werden 20 unveröffentlichte Projekte gezeigt. Elena Montesinos *1971, lebt und arbeitet in Genf. Foto: Laurent Guiraud / Elena Montesinos
Viele Bilder von Andreas Hochuli wirken wie verunglückte Ikonogramme, mit einem Hauch von Melancholie. Der Maler interessiert sich für Menschen, ihre Beziehungen und Identitäten, seine Arbeiten enthalten Bezüge zur Soziologie, Musik und Kunstgeschichte. Er erforscht mit seiner Malerei Zeichen und ihren kulturellen Hintergrund, fusioniert dabei auch die Arbeit von Computerbildprogrammen und Pinsel. Andreas Hochuli *1982 Zürich, lebt und arbeitet in Genf. Seiten aus dem Cahiers d’Artistes, 2021
Marie Matusz zeigt Schwarzweissfotografien aus dem Haus ihrer Urgrossmutter, einem reich dekorierten Haus mit unzähligen Reproduktionen klassischer Gemälde. Die Jahreszahl auf den Fotos deutet darauf hin, dass sie 1994 aufgenommen wurden - ein technischer Fehler, der Matusz fasziniert, interessiert sie sich in ihren Arbeiten auch immer wieder für philosophische Fragen nach der Auflösung von Zeit und Raum. Marie Matusz *1994 Toulouse, lebt und arbeitet in Basel und Genf. To See and to Be Seen, 2016 Analoge Fotografien
Die begeisterten Leserinnen Dorota Gawęda und Eglė Kulbokaitė schöpfen aus einer Vielzahl von Quellen, entfernen sich zunehmend vom westlichen akademischen Diskurs und nähern sich der Folklore und anderen populären Quellen wie Mythen, Geschichten über magische Praktiken und Gerichtsakten von Hexenprozessen. Hauptthemen ihrer Arbeit sind unser Verhältnis zur Natur und zur Technologie sowie geschlechtsspezifische Fragen. Dorota Gawęda *1986 Lublin PL und Eglė Kulbokaitė *1987 Kaunas LT, leben und arbeiten in Basel. Links: Video still Rechts: Tintenstrahldruck auf Archivierungspapier, ©The arits
Roman Gysin hat eine Vorliebe für Dekoration und die Camp-Ästhetik des Alltags. Viele seiner Kunstwerke sehen aus wie im Entwurfsstadium mutierte Haute-Couture-Entwürfe. Für sein Cahier d'Artistes liess er sich ebenfalls von der Gestaltung von Mode- und Einrichtungsmagazinen inspirieren und lässt Fotografien in einen Dialog mit seinen eigenen, handwerklich gekonnt ausgeführten Arbeiten treten. Roman Gysin *1984 Möhlin, lebt und arbeitet in Zürich. Hanging out with strangers 4, 2019 Holz, Stoff, Leim, Kreide, Metall, 195 x 115 x 10 cm
Ramaya Tegegne beleuchtet Mechanismen der Dominanz und Machtstrukturen in der Kultur, indem sie deren Ökonomie, Zirkulation und historische Narrative beobachtet. Sie schafft Performances und Installationen und setzt sich für alternative und faire wirtschaftliche Praktiken in der Welt der Kunst ein. Ziel ist es, bessere Arbeitsbedingungen und eine angemessene Entlohnung für Kunstschaffende zu erreichen. Das Cahier d'Artiste von Ramaya Tegegne gibt einen Überblick über ihre künstlerischen Projekte und legt die wirtschaftlichen Bedingungen offen, unter denen sie realisiert wurden. Ramaya Tegegne *1985 Genf, lebt und arbeitet in Genf. Shermans (Drag), 2018. Foto: : Annik Wetter / Version #6: Mike Kelley, Tony Oursler, Anita Pace, 2014. Foto: Anaïs Defago
Inspiriert von ethnografischen Forschungsmethoden, umfasst Noha Mokhtars künstlerische Arbeit Fotografie, Installation und Objekte. Sie erforscht die Art und Weise, wie architektonische Räume und Objekte mit verschiedenen Manifestationen von Macht in Beziehung stehen. Im Cahier d'Artistes kombiniert Mokhtar ihre eigenen Fotografien mit gefundenen Bildern sowie mit Objekten und kurzen Texten. Noha Mokhtar *1987 Genf, lebt und arbeitet in Zürich und New York City. Cimaises, 2016 Mit Lucas Uhlmann Ausstellungsansicht Meaning Can Only Grow out of Intimacy. Espace Arlaud, Lausanne

Die aktuellen acht Cahiers d'ArtisteExterner Links wurden an den Swiss Art Awards 2021, die vom 20. bis 26. September in der Messe Basel stattfinden dauerte, präsentiert.

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