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Internationales Genf

Das internationale Genf im Wandel

Genf ist das europäische Zentrum für internationale Organisationen, Initiativen und Diplomatie. Doch angesichts des Drucks auf den Multilateralismus und der Covid-19-Pandemie, die dafür sorgen, dass ich auch politische und diplomatische Treffen ins Internet verlagern, steht die Stadt vor noch nie dagewesenen Herausforderungen.

Dieser Inhalt wurde am 14. Januar 2022 - 14:47 publiziert
Skizzomat (Illustration)

Die Pandemie hat zwei Genfer Institutionen besonders ins Rampenlicht gerückt: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Welthandelsorganisation (WTO).

Während die Welt die Covidkrise zu bewältigen versuchte, stand die WHO im Zentrum des Sturms. Ihr Umgang mit der Krise wurde von verschiedenen Seiten kritisiert und die Rufe nach Reformen wurden lauter.

Die ständigen Plädoyers der WHO für eine faire globale Verteilung der Impfstoffe haben die reicheren Länder nicht davon abgehalten, Impfdosen zu horten. Die dann teilweise sogar auch vernichtet werden mussten. Das Nachsehen hatte das Gesundheitspersonal in einigen Entwicklungsländern: Für sie gab es oft keine Impfung.

Auf einer Sondertagung im Dezember 2021 verpflichteten sich die WHO-Mitgliedstaaten, Gespräche über ein neues globales Abkommen aufzunehmen, um künftige Pandemien besser bewältigen zu können. Doch dieser Vertrag wird frühestens in drei Jahren vorliegen.

Die WHO wurde 1948 mit den Zielen gegründet, für alle Menschen das höchstmögliche Gesundheitsniveau zu erreichen, gemeinsame Standards festzulegen und die Reaktion der Welt auf gesundheitliche Notfälle zu koordinieren.

Die WHO im Video kurz erklärt:

Sie hat mit Finanzierungsproblemen zu kämpfen:

In einem innovativen Schritt hat die WHO eine Initiative ins Leben gerufen, um Covid-19-Impfstoffe in die Entwicklungsländer zu bringen: den COVAX-Impfstoffpool. Dieser wird gemeinsam von der WHO, Gavi (der Vaccine Alliance) und der Coalition for Epidemic Preparedness Innovations (CEPI) geleitet. COVAX war jedoch gezwungen, die Ziele immer wieder nach unten zu korrigieren, da es an Impfstofflieferungen mangelte.

Welthandelsorganisation und Impfstoffe

Die WTO ist eine weitere Institution mit Sitz in Genf, die reformbedürftig ist. Eine der kontroversesten Debatten des Jahres drehte sich auch hier um die ungleiche Verteilung von Impfstoffen.

Die WTO hat 164 Mitgliedsländer und eine lange Geschichte:

Im Jahr 2021 bekam sie mit Ngozi Okonjo-Iweala aus Nigeria ihre erste weibliche und erste afrikanische Vorsitzende.

Ein "fruchtbares Ökosystem"

Genf beherbergt nicht nur den europäischen Sitz der Vereinten Nationen (UNO) und mehr als 40 internationale Organisationen, sondern auch über 700 Nichtregierungsorganisationen (NGOs), Forschungsinstitute und 177 diplomatische Vertretungen.

In jüngster Zeit haben sich ihnen Teams von Ermittler:innen und Expert:innen der internationalen Justiz angeschlossen. Sie sind bei der UNO angesiedelt, um Beweise zu sammeln und zu sichern und mögliche künftige Strafverfahren wegen schwerer internationaler Verbrechen in Syrien, Myanmar und Sri Lanka vorzubereiten.

Die Fülle an internationalen Regierungsstellen, NGOs und akademischen Einrichtungen im internationalen Genf schafft ein "fruchtbares Ökosystem" für internationale Forschung und Entscheidungsfindung. Während einige NGOs und sogar die UNO von den Auswirkungen der Pandemie bedroht sind, unterstützt die Schweizer Regierung neue, zukunftsweisende Genfer Plattformen wie die Swiss Digital Initiative und den Geneva Science and Diplomacy Anticipator (GESDA), der sich im "Biotech Campus" befindet, der voller zukunftsweisender Startups ist.

GESDA hat im Oktober 2021 seinen ersten Gipfel abgehalten und seine Arbeit zum ersten Mal öffentlich vorgestellt:

Frieden, Menschenrechte und internationale Gerechtigkeit sind gerade heute wichtiger denn je.Von Genf aus setzen sich der Menschenrechtsrat, ein zwischenstaatliches Gremium innerhalb der UNO, und das Amt des Hochkommissariats für Menschenrechte mit Unterstützung zahlreicher NGOs und Akademiker:innen für die Förderung und den Schutz der Menschenrechte in der ganzen Welt ein.

Der finanzielle Druck ist auch für die Genfer Organisationen ein grosses Problem. Dieses wird durch die Corona-Pandemie, welche die Grenzen des multilateralen Systems auf die Probe gestellt hat, noch verstärkt.

Langfristig mag der Trend dahin gehen, dass die grossen internationalen Organisationen bestimmte Ressourcen vor Ort oder an billigere Standorte verlagern. Aber obwohl Genf ein sehr teures Pflaster ist, bleibt die Anziehungskraft der Rhonestadt aus anderen Gründen stark. Einer davon ist, dass Geberinnen, Entscheidungsträger und Expertinnen in grosser Zahl schon vor Ort sind. "Solange die UNO und das internationale System für die Zivilgesellschaft offen sind, gibt es hier in Genf eine Sogwirkung", sagt Julien Beauvallet, Leiter des NGO-Dienstes des International Geneva Welcome Centre (CAGI).

Schwerpunkte 2022

Im Jahr 2022 liegt der Fokus des Internationalen Genf weiterhin auf der Covid-19-Pandemie, den Bemühungen der WHO, die Welt aus dieser Krise zu führen und sich auf ein besseres Management der nächsten Pandemie vorzubereiten. Bei SWI swissinfo.ch werden wir auch die Forderungen nach Reformen bei der WHO und der WTO im Auge behalten, die beide im Frühjahr wichtige Gipfeltreffen abhalten werden.

Die zentrale Rolle Genfs im Bereich der globalen Menschenrechte werden wir ebenfalls nicht vernachlässigen. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), die bekannteste humanitäre Organisation der Schweiz, hat erstmals eine Frau zur Präsidentin ernannt: Mirjana Spoljaric Egger, die ihr Amt im Oktober 2022 antreten wird. Wir berichten über ihre Strategie und die Herausforderungen, denen sie sich stellen muss.

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