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Alle Menschen satt machen, ohne den Planeten zu zerstören

Sojaernte in Tangara da Serra, Brasilien. Keystone / Andre Penner

Die Uno versucht das Dilemma zwischen Klimaschutz und Hungerbekämpfung zu lösen. Ein dafür geplanter Gipfel werde kaum etwas bringen, kritisieren NGOs und Forschende – der Einfluss der Konzerne sei zu gross.

Dieser Inhalt wurde am 26. Juli 2021 - 09:00 publiziert

Laut Uno leiden 815 Millionen Menschen Hunger. Eine wachsende Bevölkerung im Globalen Süden braucht mehr und mehr Nahrungsmittel, folglich muss der Ertrag der Landwirtschaft gesteigert werden. Beispielsweise mit Düngern und Pestiziden. Oder man kann durch Waldrodungen neue Ackerflächen gewinnen.

Doch das belastet die Umwelt und das Klima. Und der Klimawandel wiederum führt zu Dürren und damit zu Hungersnöten, wie aktuell in Madagaskar.

SRF vom 19. Juli 2021: Ein Land hungert wegen des Klimawandels.

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Uno-Gipfel soll das Dilemma lösen

Wie müssen Landwirtschaft und Ernährung aussehen, um sowohl die Armuts- und Hungerbekämpfung als auch den Schutz von Biodiversität und Klima zu gewährleisten? Laut Uno-Generalsekretär António Guterres braucht es eine Transformation der globalen Ernährungssysteme.

Zusammen mit dem WEF organisiert die Uno deshalb im September den vierten grossen Ernährungssystemgipfel in New York, der Antworten auf die Frage liefern soll, wie die wachsende Weltbevölkerung auch unter der Bedingung des Klimawandels ernährt werden kann. Zur Vorbereitung des Gipfels findet vom 26. bis 28. Juli in Rom ein Pre Summit statt.

Widerstand gegen den Gipfel

NGOs wie Public EyeExterner Link oder SwissaidExterner Link kritisieren den Gipfel. Die Konzerne hätten zu viel EinflussExterner Link. Es sei ein allgemeiner Trend, dass globale Konzerne immer mehr Raum in Prozessen der Uno einnähmen.

"Die Uno verliert so an Legitimität", sagt Simon Degelo, Verantwortlicher für Saatgut und Biodiversität bei Swissaid. "Es ist besorgniserregend, dass die Uno-Organisationen den Prozess für die Lösung der aktuellen Probleme in den Ernährungssystemen weitgehend jenen Konzernen in die Hand gibt, die sie mitverursacht haben."

Weltweit gibt es deshalb Widerstand gegen den Gipfel. Auch Schweizer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben sich einem BoykottExterner Link angeschlossen. Und PolitikerExterner Link und PolitikerinnenExterner Link stellen der Schweizer Regierung kritische Fragen.

NGOs fordern einen Paradigmenwechsel in Form von "Agroökologie", wie Markus Allemann, Geschäftsleiter SWISSAID, im Standpunkt ausführt:

"Mit einer Gesprächsverweigerung kommt man einer Problemlösung in der Regel nie näher", findet hingegen Patrick Dümmler vom wirtschaftsnahen Think Tank Avenir Suisse. "Es braucht den Austausch, um ein Problem von verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und gemeinsam Lösungen zu finden, die alle relevanten Akteure miteinbeziehen."

Zwar kann Dümmler den genauen Einfluss der Konzerne auf den Uno-Gipfel nicht einschätzen, wie er sagt. Aber: "Dass dieser pauschale Vorwurf von Seiten vieler NGOs kommt, überrascht mich nicht. Es braucht in ihren Augen wohl immer negativ besetzte Gegenspieler, denn das dient der eigenen Legitimität."

Nationalratspräsident und Aussenpolitiker Andreas Aebi von der Schweizerischen Volkspartei (SVP) sieht die Sache differenziert: "Ein UNO Gipfel kann einen wesentlichen Beitrag zur Lösung leisten. Es ist in meiner Erfahrung als Aussenpolitiker immer wertvoll, wenn sich die Akteure austauschen und gemeinsam über mögliche Lösungswege debattieren."

Letztlich seien es aber die nationalen Akteure, welche die Ziele und Beschlüsse des Gipfels umsetzen müssten. "Wesentlich scheint mir, dass alle Akteure gleichberechtigt am Gipfel teilhaben."

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