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"Ein Debakel für die Regierung von Joe Biden"

Die Evakuationen finden schon seit Tagen statt. Am Sonntag fiel Kabul in die Hände der Taliban. Copyright 2021 The Associated Press. All Rights Reserved.

Die USA haben ihre Truppen aus Afghanistan abgezogen. Nun greifen die Taliban unerwartet schnell nach der Macht. Was US-Präsident Joe Biden und seine Gegner dazu sagen. Fragen an Isabelle Jacobi, USA-Korrespondentin von SRF.

Dieser Inhalt wurde am 16. August 2021 - 10:30 publiziert
Hans Ineichen, SRF

In den USA fallen die Reaktionen auf die aktuellen Ereignisse in Afghanistan teils heftig aus. Wie äussert sich das?

Isabelle Jacobi: In den US-Medien wurde die Biden-Regierung aus allen Kanälen mit Kritik beschossen. Besonders heftig fällt sie auf der republikanischen Seite aus. Die spricht von einem völligen Versagen der Biden-Regierung.

Hören Sie hier den Bericht der Sendung "HeuteMorgen" von SRF über die neuesten Entwicklungen:

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Das Trump-Lager liess es sich nicht nehmen zu behaupten, dass der ehemalige US-Präsident den Rückzug geordneter zu Ende geführt hätte – was natürlich nicht zu überprüfen ist. Die Demokraten hingegen stützen den Entscheid von Präsident Biden, sich aus Afghanistan zurückzuziehen, aber äussern sich besorgt über die Sicherheitslage vor allem der alliierten Personen in Afghanistan.

Wie verteidigt sich die Regierung Bidens?

Präsident Joe Biden selber hat in einem Kommuniqué am Freitag klargemacht, dass er den Rückzug wie geplant durchziehen will. Seither hat er sich nicht mehr geäussert. Sein Aussenminister Antony Blinken jedoch trat in den Sonntagsshows auf und erklärte, es gebe keine Alternative zum Rückzug.

Das Friedensabkommen sei schon von der Trump-Regierung verhandelt worden. Hätte man dieses gebrochen, wäre es wieder zu einem heissen Konflikt mit den Taliban gekommen. Und das sei nicht im Interesse der USA. Das amerikanische Volk wolle diesen Krieg beenden.

Ihren Einmarsch in Afghanistan vor 20 Jahren begründeten die USA mit dem Kampf gegen den Terror. Nun lassen die radikal-islamischen Taliban in Afghanistan ihre Leute aus den Gefängnissen frei. Entsteht daraus eine neue Debatte über die Terrorgefahr, die die USA ausgeliefert ist?

Ja, die Terrorgefahr ist wieder in aller Munde. Das Vertrauen in die Einschätzungen des Pentagon ist geschwunden. Nach dem unerwarteten Kollaps der afghanischen Armee fragen heute vor allem republikanische Stimmen wieder, ob es auch punkto Terrorgefahr eine Fehleinschätzung gibt.

Tatsächlich hat offenbar der Generalstab beim heutigen Sicherheits-Briefing im Senat bestätigt, so heisst es in den US-Medien, das Risiko sei höher, als man vorher gedacht habe. Und für die Biden-Regierung ist es ein Debakel. Sie muss sich vorwerfen lassen, dass sie 20 Jahre nach 9/11 den Taliban die Möglichkeit gelassen hat, wieder so stark zu werden.

Schweiz fliegt DEZA-Personal aus

Der grosse Exodus aus Kabul geht weiter. Die Schweiz konnte ihre drei Mitarbeiter aus dem DEZA-Büro in Kabul ausfliegen, wie Aussenminister Ignazio Cassis auf Twitter Externer Linkschrieb. Man arbeite unter Hochdruck und "unter schwierigsten Umständen" daran, das Lokalpersonal zu evakuieren.

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